„Wien, Wien nur du allein…“

Eine Stadt in Bildern

Fotograf und „Lichtmaler“ Harald Parth hat ein Gespür für schöne Bilder. Mit seiner Kamera hat er die aktuelle Stimmung in den Gassen von Wien festgehalten und erklärt, warum er diese Stadt so liebt. Und ich, warum ich sie so leiwand finde.

“Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert. Die Straßen anderer Städte mit Asphalt.”

Karl Kraus (1874-1936), Österreichischer Schriftsteller und Journalist)

Ich über „mein“ Wien

Wien zählt nicht nur zu den schönsten Städten der Welt, es zählt auch zu der Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Neben dem typischen Wiener Charme führen wir natürlich auch haushoch in punkto Unfreundlichkeit (Hoch leben die Grandschiwis!). Die Ober haben hier rund um die Uhr einen „Schleim“. Und wenn man uns allzu oft als faul und „ur“grantig bekrittelt, so sind wir doch auch sehr umgängliche, hilfsbereite Menschen. Wir pendeln halt immer latent zwischen lustig und tragisch, zwischen „Wiener Schmäh“ und Tod. Es heißt ja auch nicht umsonst: „Der Tod ist ein Wiener„. Man sagt aber auch, der Wiener rennt nicht. Statt dessen trinkt er lieber einen Kaffee (und trägt damit immerhin zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO bei!) Ja, Gemütlichkeit können wir! Egal ob beim Alk oder beim Kaffee (nur bitte ned bacherlwoam!)

Wien, das ist so eine illustre Melange aus „Zuagrasten“ und „Echten“. Egal ob uns das Wasser bis zur Nase steht, wir gehen nicht unter! Wer hier nicht born und raised ist hört gut und gerne „Du bist owa ned aus Wean, gö?“. Möchte man das, stellt man einfach das Wörtchen „UR“ voran und zack: schon ist man ein (fast) echter Wiener! Hier kann man auch ohne weiters „Sackbauerisch“ mit nasalem „Schönbrunner-Deutsch“ mischen, ohne a „Gnackwatschen“ zu kassieren. In Salzburg ist mir das tatsächlich einmal passiert!

Auch wenn man es kaum glauben kann: Wien hat die niedrigste Selbstmordrate in Österreich. Das liegt bestimmt am Wiener Wasser. Nirgendwo sonst kann man so dekadent aus der Klomuschel saufen wie hier. „Champagner? Na, nua a Wossa!“ Ja, Wien ist nicht nur melancholisch-morbid! Wien ist auch bunt und lebendig.

In Wien spricht man zwar über 100 verschiedene Sprachen, kann aber alles mit einem einzigen Wort ausdrücken: „Oida!“ Das kann unter anderem für „Heisl“ stehn, was so viel bedeutet wie „Volltrottel“, aber auch „Haus“ und „Toilette“. Bei einer Einladung ins Heisl sollte daher besser allen klar sein, um welche Lokalität es sich handelt. Sonst sitzt man sehr schnell aufm Heisl im Heisl beim Heisl. Oder so….

Die Wiener Küche ist übrigens die einzige „Küche“, die konkret nach einer Stadt benannt wurde. Hier wimmelt es nur so vor tanzenden Sacher-und Demeltorten, spritzenden „Alt Wiener“ Suppentöpfen, gackibraunem Fiackergulsch, duftenden Apfelstrudeln und kalorienexplodierendem Kaiserschmarrn. Übrigens: Ein Wiener Schnitzel zu verdauen, benötigt ganze 8 Stunden. Na Mahlzeit! Da gönn ich mir lieber a „A Eitrige mit an Buckl und am 16er Blech.“ Und jetzt bringe man mir den Spritzwein! Und danach ein Reparaturseidl. Aber Chello.

Ach, und nirgend wo sonst kann man sich so herrlich über zu spät kommende Öffis aufregen: „Hearst, jetzt kummt die Oaschtrottl-U-Bahn erst in zwa Minuten!“ In keiner anderen Stadt steht bei den ersten zarten Schneeflocken im Verkehr alles still. Und ich meine ALLES: JA, auch die unterirdische U-Bahn!!! Nirgend wo sonst hört man es liebevoll schreien „Zweite Kassa bitte„, wenn ganze zwei Leute vor einem stehen.

Nirgend wo sonst kann man mit den wenigen Worten „Bist deppert?„, „Hearst, Oida“ oder „Jo, eh!“ so viel und gleichzeitig so wenig aussagen. Und dann gibt es auch noch die Sache mit dem „In-Wien-Auskennen“. Den Taxifahrern sollte man hier besser nicht vertrauen. „Bitte aussteigen, i was nimma wo ma san!“ Besser mit der U-Bahn fahren. Wobei, nicht mit der U1, die stinkt nach altem Erbrochenem. I möcht‘ ja jetzt ned einen auf Gschaftlhuber machen, aber Wien ist mein Wien. Auch als „Zuagraste!“

„Es wird a Wein sein, und mir wer’n nimmer sein …“ 

Wiener Volkslied, Josef Hornig & Ludwig Gruber



A wengal Wien braucht man zum Leben

Harald Parth über „sein“ Wien

Wien war schon immer eine faszinierende Stadt für mich. Schon während der Schulzeit war beim Stangeln für meine Freunde und mich klar, wohin es ging: mit dem Zug in die große Stadt. Die verschiedenen Kulturen, die Vielfalt an Geschäften und Lokalen, die prachtvollen historischen Gebäude – es gab immer etwas Neues zu entdecken. Und unser Ausklang war jedes Mal ein Paar Kräsekrainer beim Würstelstand. Nirgends schmecken sie besser als in der Wiener Innenstadt. Um sie zu genießen, benötigt man das Wiener Flair.

Und heute zieht es mich noch oft in diese wundervolle Stadt, sie ist Teil meines Lebens. Warum? Das ist leicht zu beantworten. Ich kenne keine Stadt, die so abwechslungsreich und bunt ist. Eine Stadt mit einer Vielfalt an Geschichte, Musik, Literatur, Mode, Kunst, Kultur, Religion, Politik und vor allem an Menschen. Und diese Palette möchte ich mit meinen Fotos festhalten.

Manchmal stehe ich einfach nur da und sehe durch eine meiner Kameras. Der Blick durch diese versetzt mich in eine andere Welt. Ich sehe plötzlich Menschen, Gebäude und Situationen aus einer völlig anderen Perspektive, nehme diese klarer wahr, kann Ausdrücke und Gefühle besser erkennen und viele Details entdecken. Ich sehe nur einen Ausschnitt des Ganzen, aber diesen umso intensiver: An einer Stelle lauschen die Menschen berührt der Musik eines blinden Gitarrenspielers, einem alten Mann mit Stock rinnt dabei eine Träne die Wange herunter; etwas weiter: eine Runde Frauen mit vollbepackten Einkaufstaschen, die vielen Lachfalten in deren Gesichtern, weil sie so viel Spaß haben und möglicherweise ihre Sorgen für ein paar Stunden vergessen.

„Mei Wien is net deppert!“

Michael Häupl,
ehemaliger Bürgermeister von Wien & Spritzweinliebhaber

Ich schwenke meine Kamer weiter: plötzlich – vor einem der schickimicki Geschäfte ein Security-Mitarbeiter, der hilflos auf den Pudel mit dem strassbesetzten Halsband aufpasst, während sein Frauchen, eine Dame im Pelzmantel, das Geschäft betritt. Und wieder lasse ich meine Kamera weiterschweifen: ein Vater, der seinem Sohn eine Packung Maroni gekauft hat – die strahlenden Augen des Kindes – ein unbezahlbarer Moment. Solche Augenblicke versuche ich mit meiner Kamera einzufangen, Momente des täglichen Lebens, schöne und traurige, denn so ist das Leben.

„Respekt und Wertschätzung vor der Natur und den Menschen bilden die Grundlage meiner fotografischen Philosophie und Tätigkeit. Ich möchte Bilder erzeugen, die durch gezielte Komposition und Lichtstimmung den/die Betrachter/in fesseln und mit auf eine Reise nehmen.“

Harald Parth, Lichtmaler

Und nirgends finde ich so viele Emotionen wie in Wien. Diese spiegeln sich allerdings nicht nur in Fotografien von Menschen. Oft sind diese in meinen Bildern eher Details, die man erst entdecken muss, wenn man sie näher betrachtet, oder sind im Hintergrund dargestellt. Die Emotion bleibt dennoch am Foto haften und wandert auf den Betrachter über.

Mein letzter Besuch in Wien hat mir ein neues, anderes Bild der Stadt gezeigt. Eine Stille hat sich diese Woche über Wien gelegt, wie ich sie noch nie erlebt und gespürt habe. Das Attentat spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen wider: Fassungslosigkeit, Trauer, Wut, Zorn, Anteilnahme, Bedauern – selten habe ich so viele verschiedene Emotionen wahrgenommen wie an einem der tragischen Schauplätze in der Innenstadt. Doch eines war für mich klar: Das Lichtermeer lässt Wien wieder hell aus dieser Dunkelheit scheinen.   

Ich fotografiere nun seit rund 15 Jahren und jedes Jahr vertieft und erweitert sich meine Leidenschaft. Die Fotografie stellt den kreativen Ausgleich zu meiner Tätigkeit als Beratungslehrer und Mediator dar. Gerade während der Corona-Pandemie habe ich mehr Zeit in dieses Hobby investiert. Jeder Tag hat sein Licht und seine Schatten. Wichtig ist, die kleinen Glücksmomente wahrzunehmen und festzuhalten, die uns geschenkt werden.

„Für mich gibt es nichts Schöneres als unterwegs in der Welt zu sein und Momente einzufangen, die man sich immer wieder vor Augen führen will/kann. Die Kamera ist für mich der Schlüssel zu einer Tür in eine andere (magische) Welt.“

HARALD PARTH, LICHTMALER



„LEIWAND“

Alle Wiener verwenden es, aber keiner weiß, woher dieses Wort eigentlich stammt. Also: Im 15. Jahrhundert wurde das einstige Wiener Bürgerspital zu einem internationalen Textilhandel-Zentrum. Man schenkte den Kaufleuten dort Bier aus, welches aufgrund des Handels mit Leinen schon bald zum „Leiwandbier“ avancierte. Und weil es so gut schmeckte, wurde aus dem wohlschmeckenden „Leiwandbier“ schließlich „leiwand“.



WIEN UND DER TOD

Schon immer haben die Wiener und der Tod ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. So gab es hier früher tatsächlich bestimmte Stadtviertel für bestimmte Hinrichtungsarten.

So wurde zum Beispiel am Hohen Markt gevierteilt und enthauptet, am Tabor ertränkt. In der Rossau und bei der Spinnerin am Kreuz gehängt und gerädert und an der Weißgerberlände verbrannt.

Waschechte Wiener Kinder lernen bereits in jungen Jahren das altbekannte Lied „Oh, du lieber Augustin“. Klingt lieb, gell? Ist aber eine Lobeshymne auf jenen Alkoholiker, der die Wiener Bürger während der Pestepidemie 1679 mit anstößigen Liedern aufheiterte. Eines Nachts war er so sturzbetrunken, dass er in eine Pestgrube fiel und die ganze Nacht darin verbrachte. Wie durch ein Wunder überlebte Augustin diese Nacht inmitten von hoch ansteckenden Pest-Toten. Das beweist doch bitte, dass wir mit genügen Alkohol intus so ziemlich alles überleben – zumindest in Wien.

Ja, und dann noch Woiferls Hymne „Es lebe der Zentralfriedhof“. „A schene Leich“ sagt man heute übrigens auch liebevoll zu jemandem, der Tags zuvor zuviel getrunken hat. Vor Langeweile stirbt man jedenfalls nicht in dieser Stadt. Corona-Lockdowns ausgenommen! Wem doch einmal fad werden sollte, kann ja im Foltermuseum vorbeischauen.


„… die Welt dreht sich doch ein wenig „anders“ nach dieser fürchterlichen Gräueltat in Wien … man spürt die Unsicherheit, die Angst, das „Einander nicht vertrauen können“, das Gespensterische, die Option schnell weglaufen zu müssen, den Anschlag von Waffen, …“


FOTOGALERIE:

WIEN – DIE TAGE NACH DEM ATTENTAT

„FOTOGRAFIE IST KUNST UND LEIDENSCHAFT“

HARALD PARTH • LICHTMALER

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„WIEN, DU STADT MEINER TRÄUME“

Von Rudolf Sieczynski

1. Mein Herz und mein Sinn
Schwärmt stets nur für Wien,
Für Wien, wie es weint, wie es lacht !
Da kenn ich mich aus,
Da bin i halt z’Haus,
Bei Tag und noch mehr bei der Nacht.
Und keiner bleibt kalt
Ob jung oder alt,
Der Wien, wie es wirklich ist, kennt
Müßt‘ ich einmal fort
Von dem schönen Ort,
Da nähm‘ meine Sehnsucht kein End.
Dann hört‘ ich aus weiter Ferne ein Lied,
Das klingt und singt, das lockt und zieht:

Refrain:
Wien, Wien, nur du allein
Sollst stets die Stadt meiner Träume sein !
Dort, wo die alten Häuser stehn,
Dort, wo die lieblichen Mädchen gehn !
Wien, Wien, nur du allein
Sollst stets die Stadt meiner Träume sein!
Dort, wo ich glücklich und selig bin,
Ist Wien, ist Wien, mein Wien !

2. Bei jeder Gaudé
Na, Sie wissen’s eh
Bin ich allemal gleich dabei.
Ich b’halt mein Hamur
Bis spät in der Fruah
Mir ist alles dann allerlei.
Und wenn ich beim Wein
Dann sitze zu zwein
Und sehnend ein Arm mich umschlingt,
Wenn heimlich und leis‘
Der Heimat zum Preis
Ein Straußischer Walzer erklingt:
Dann hört‘ ich aus weiter Ferne ein Lied,
Das klingt und singt, das lockt und zieht:
Refrain:

3. Ob ich will oder net
Nur hoff‘ ich recht spät
Muß ich einmal fort von der Welt.
Geschieden muß sein
Von Liebe und Wein,
Weil alles, wie’s kommt auch vergeht.
Ah, das wird ganz schön
Ich brauch‘ ja nicht z’gehn,
Ich flieg‘ doch in‘ Himmel hinauf,
Dort setz‘ ich mich hin
Schau runter auf Wien,
Der Steffel*, der grüßt ja herauf….

4. In Sturm und in Not
Von Feinden umdroht,
Steht Österreich aufrecht und hehr.
Von Helden umweht
Mit funkelndem Schwert
In eiserner, schirmender Wehr!
Wo Lied und Gesang
Im Frieden erklang
Ertönt jetzt Trompetensignal!
Aus sanftem Gemüt
Erstarkt und erblüht
Ein Heldengeschlecht ohne Zahl!
Und wenn dann im Feld der Schlummer euch flieht,
Ertöne leis von ferne das Lied:

Wien, Wien, nur du allein….

Chefredakteurin bei CRITICAL MINDS MAGAZIN +++ Ressortleitung: Theater-Film-Stars +++ Davor als Kultur-Redakteurin tätig bei SCHiCKMagazin, KURIER Medienhaus und der Tageszeitung HEUTE.

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