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„Die Wunderübung“ – oder: Warum trennen sie sich eigentlich nicht?

Ein streitsüchtiges Ehepaar, ein spleeniger Paartherapeut und ein mögliches Happy-End beim Chinesen. Das schicke und auf Kriegsfuß befindliche Ehepaar Dorek bringt den etwas schnuddeligen Therapeuten Harald an den Rand seines Nervenkostüms. Doch dann passiert, durch eine nicht ganz alltägliche Übung, ein kleines Wunder.



Daniel Glattauers Vorlage für die höchst amüsante Beziehungs-komödie „Die Wunderübung“ unter der Regie von Michael Kreihsl, der auch das Drehbuch zum gleichnamigen Film geschrieben hat, zeigt hier drei ausnehmend erfrischend menschliche Charaktere vor dem Beziehungs-Aus. Aglaia Szyszkowitz durfte bereits 2015 in der Theaterfassung von Glattauers Paartherapie-Stunde an den Wiener Kammerspielen brillieren, damals noch mit Bernhard Schir (als Valentin) und Jürgen Tarrach (als Eheberater) an ihrer Seite.

Inbegriff einer gescheiterten Ehe

Bei Kreihsl spielt nun Devid Striesow den so genervten und höchst ungeduldigen Ehemann und man muß sagen, er spielt ihn gut. Das himmelblaue Hemd sitzt eng wie ein Korsett, welches ihm sinnbildlich jede Luft zum Atmen nimmt. Gehemmt wirkt Valentin also nicht nur aufgrund seiner deutschen Herkunft. Nein, der Unternehmer hat längst verlernt, wie man locker und unbeschwert ist. Ganz im Gegensatz zu Joana, die zwar emotional offen, klug, gewitzt – aber vielleicht genau deswegen umso frustrierter ist. Die beiden wirken wie der Inbegriff einer modernen, gescheiterten Ehe. Erwin Steinhauer rundet das Trio mit Witz, Spleen und einer Riesenportion Menschlichkeit ab.

Mittendrin und fast dabei

Das authentische Spiel der beiden, lässt einen derart tief in die Figuren eintauchen, daß man plötzlich unweigerlich das Gefühl hat, selbst Teil der Therapiestunde zu sein. Mimik, Gestik – hier passt (schauspielerisch) einfach alles. Jede Aktion und Reaktion ist am Punkt, der Blick so, wie man sich nun einmal nach vielen lieblosen Ehejahren fühlen muss: hoffnungslos gescheiter
Perfekte Unterwasserwelt

Kennengelernt hat sich das ungleiche Paar übrigens vor 17 Jahren beim Tauchen in Ägypten. Nahezu perfekt und vor allem wortlos haben die beiden damals noch funktioniert. Diese stille Unterwasserharmonie wurde spätestens durch die Geburt des ersten Kindes getrübt. Das zweite Kind ist natürlich nicht minder schuld. Man hätte einfach niemals auftauchen dürfen.


Ein hoffnungsloser Fall

Die Frage des herrlich unkonventionellen Therapeuten „Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?“ kommt daher nicht von ungefähr. Nicht im Entferntesten möchte man meinen, dass dieser „hoffnungslose Fall“ zu einem Happy-End gelangen könnte. Und so wird brav weiter gestritten, beschuldigt und geheult. Von den nie verarbeiteten Kränkungen wegen Ehebruchs mal ganz abgesehen. Diese gestörte und dennoch perfekt aufeinander eingestellte (Streit-)Kommunikation der beiden bringt den Therapeuten Harald schließlich fast an den Rand seiner sonst so funktionierenden Methoden.


Geteiltes Leid ist halbes Leid

Als sein Handy nach der wohlverdienten Pause klingelt und eine mysteriöse Nachricht im Raum steht, gerät die Therapiestunde komplett aus den Fugen. Das Paar spürt auf Anhieb, dass mit dem Therapeuten etwas nicht stimmt. Die Neugier schweißt die beiden plötzlich zusammen, sie gehen quasi gemeinsam (und fast ein bisschen böse) auf „Entdeckungsreise“, wollen sich am Leid des Therapeuten laben, nur um sich selbst besser zu fühlen. So startet Therapeut Harald noch einmal die anfangs kläglich gescheiterte Finger-Übung und siehe da: Plötzlich funktioniert es mit der Harmonie. Auch der zuvor erhoffte „Impuls“ läßt Valentin schließlich doch noch das „verschlossene Herz“ seiner Frau öffnen.

Joana und Valentin gehen als Sieger aus der Stunde und erkennen, dass sie im Grunde ihres Herzens Gleichgesinnte sind. Echte Macher, die keine Scheu haben, sich ihren Problemen zu stellen. Beinahe wären die beiden sogar glücklich wie einst beim Chinesen ums Eck gelandet, aber das ist eine andere Geschichte.




Fazit: Eine wundervoll humorvolle Beziehungskomödie mit schauspielerischen Glanzleistungen.

Filmstart ist am 2. Februar 2018

Regie: Michael Kreihsl / Drehbuch: Michael Kreihsl, nach dem Theaterstück von Daniel Glattauer / Kamera: Wolfgang Thaler / Schnitt: Ulli Kofler / Ton: Sergey Martynyuk / Ausstattung: Katrin Huber, Gerhard Dohr / Kostüm: Theresa Ebner-Lazek / Produktion: Allegro Film / Produzenten: Helmut Grasser / Mit: Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer

Österreich 2018 / 92 Minuten


Chefredakteurin bei CRITICAL MINDS MAGAZIN +++ Ressortleitung: Theater-Film-Stars +++ Davor als Kultur-Redakteurin tätig bei SCHiCKMagazin, KURIER Medienhaus und der Tageszeitung HEUTE.

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