„Das Burgtheater in Bildern“

Nach einer stilvollen Fotostrecke mit ausgewählten Wiener Kaffeehäusern hat Fotografin Alexandra Jungbauer für uns nun das Wiener Burgtheater in Bildern festgehalten.

Das Burgtheater? Wenn Sie wüßten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müßte dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen.

Claus Peymann, ehem. Burgtheaterdirektor (1986–1999)

Das Wiener Burgtheater gehört unbestritten zu den bedeutendsten Sprechbühnen im gesamten deutschen Sprachraum. Nach der Pariser Comédie-Francaise ist die Burg somit nicht nur das zweitälteste europäische sondern auch das größte deutschsprachige Sprechtheater. Mit Maria Theresias Sohn Joseph II., der ein neben der Hofburg befindliches Ballhaus des Theaterunternehmers Selliers per Dekret als „Teutsches Nationaltheater“ unter die Administration des Hofes stellte, begann die Glanzzeit der deutschsprachigen Schauspielkunst in Wien. Die Burg, wie sie von den Wienern kurz genannt wird, wurde im Jahr 1748 gegründet und war bis 1918 ein Hoftheater, welches vom Obersthofmeisteramt des Kaisers beaufsichtigt wurde. Seit 1794 trägt das Theater den Namen „K.K. Hoftheater nächst der Burg“. Nach fast 150 Jahren Spielbetrieb wurde am 14. Oktober 1888 – nach vierzehnjähriger Bauzeit – das neue Theaterhaus am Ring eröffnet. 1918 wurde das ehemalige Hoftheater dann schließlich der Verwaltung des Staates übergeben.

Am Burgtheater wirken und wirkten einige der prominentesten Künstlerinnen und Künstler der jeweiligen Epoche. Die erste große Blüte des Burgtheaters fällt wohl in die Direktion von Joseph Schreyvogel (Künstlerischer Leiter von 1814-1832), dem eigentlichen geistigen Begründer des Burgtheaters. Seit den 1940er Jahren kamen dann unter anderen Größen, wie Klaus Maria Brandauer, Boy Gobert, Inge Konradi, Theo Lingen, Josef Meinrad, Elisbeth Orth, Heinz Rühmann, Erika Pluhar und Oskar Werner zum Ensemble.

Der erste Spatenstich zum neuen Burgtheater, welches teilweise auf den Gründen des ehemaligenParadeisgartels am ehemaligen Franzensring erbaut wurde, erfolgte am 16. Dezember 1874. Die Pläne dazu stammen von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer (Innengestaltung). Der Zuschauerraum musste übrigens wegen seiner schlechter Akustik 1897 erneut umgebaut werden.

Der ursprüngliche Zuschauerraum war eine Verbindung von Logen- und Rangtheater (1945 zerstört). Die prachtvollen Feststiegen in den Seitenflügeln sind original erhalten geblieben. Die Deckengemälde stellen die Entwicklung des Theaters dar. Auf der Volksgartenseite: Das „Dionysostheater in Athen“ von Franz Matsch, Das Globetheater in London von Gustav Klimt und das Molièretheater in Paris von Ernst Klimt. Links davon das Theater in Taormina von Gustav Klimt, die Mysterienbühne des Mittelalters von Franz Matsch und „Hanswurst auf dem Jahrmarkt“ von Ernst Klimt. Auf den Mittelpodesten der gleichartig gestalteten Stiegenhäuser stehen in Wandnischen Standbilder bedeutender Schauspieler, auf den Treppenpodesten stehen Schauspielerbüsten.

KLIMT IM BURGTHEATER

Gustav Klimts Frühwerk umfasst eine Reihe von Gemälden, die er zusammen mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch im Rahmen der gemeinsamen „Künstler-Compagnie“ verwirklichte. Dazu gehören auch die 1887 entstandenen Deckengemälde in den Feststiegen des Burgtheaters, die der Historienmalerei zuzurechnen sind, aber bereits die Wende zur symbolistischen Phase des Wiener fin de siècle ankündigen.

Am 12. März (durch einen Bombentreffer) und 12. April 1945 (durch einen Artillerietreffer und Brand) wurden die Räumlichkeiten des Zuschauerhauses weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau (1948-1955) erfolgte aufgrund des Ergebnisses einer Ausschreibung, zu der zwölf Architekten eingeladen worden waren. Hier wurden dann akkustische Mängel und teilweise schlechte Sichtverhältnisse des ursprünglich lyraförmig angelegten Logentheaters behoben. Unter Direktor Rott erfolgte am 14. Oktober 1955 die Wiedereröffnung mit Mozarts Kleiner Nachtmusik, einen Tag später wurde das erste Theaterstück (Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“) in der wiederhergestellten „Burg“ gespielt. Heute gehört „die Burg“ zu den Österreichischen Bundestheatern. Seit September 2019 ist Martin Kušej der neue Direktor des Burgtheaters.

Theater wird erst wirklich, wenn das Publikum innerlich mitspielt.

Hermann Bahr

Das Burgtheater ist ein Ort der Kunst und der Künstler*innen – wie auch immer sie ihre Herkunft beschreiben. Es wird neue Sprachen und alte Sprachen in neuen Tonlagen hörbar machen, mitunter selber neue Sprachen hervorbringen. Es wird ein Raum sein für den lebendigen künstlerischen Austausch mit Denkweisen und Ausdrucksformen jenseits unserer inneren und äußeren Grenzen und Begrenzungen. Es wird ein Raum der Extreme sein – extrem kontrovers, extrem vielgestaltig, extrem dringend, extrem zeitgenössisch, extrem laut, extrem leise, extrem österreichisch, extrem international. In diesen Raum ist das ganze Spektrum der Gesellschaft eingeladen.

Burgtheater, Wien, Europa

„Ich schütte da sicher mal die Hälfte oder zwei Drittel von diesem Suppentopf aus und koche mal eine neue Suppe auf.“

Burgtheaterdirektor Martin Kusej

#BURGTHEATERFAKT: BURGTHEATER, BÜHNENMASSE

Fassungsraum: 1.175 Sitzplätze, 85 Stehplätze, 12 Rollstuhlplätze

Breite der Vorbühne: 13 m

Vorbühnentiefe: 6 m

Bühnenraumbreite: 28,5 m, Tiefe: 23 m

Höhe bis zum Rollenboden: 28 m

Höhe bis zur ersten Arbeitsgalerie: 12 m

Portalbreite: 12 m

Portalhöhe max.: 8 m

Das Burgtheater präsentiert sich heute mehr denn je als Haus mit einem modernen Spielplan und zeitgerechten Strukturen, trotzdem haben sich doch auch viele jener Traditionen erhalten, die man mit Paula Wessely, Attila Hörbiger, Oskar Werner oder Raoul Aslan verbindet. Zu den heutigen Burgstars gehören unter anderem Ensemblemitglieder wie Regina Fritsch, Maria Happel, Dorothee Hartinger, Birgit Minichmayr, Petra Morzé, Johanna Wokalek, Philipp Hauß, Philipp Hochmair, Roland Koch, Johannes Krisch, Michael Maertens und Nicholas Ofczarek.

Es gibt übrigens eine Doyenne und einen Doyen als oberste Schauspielerin bzw. obersten Schauspieler des Hauses – heute sind es Elisabeth Orth und Michael Heltau. Wichtige Ensemblemitglieder werden zu Ehrenmitgliedern ernannt, viele tragen den Titel Kammerschauspieler. Stirbt ein Ehrenmitglied, so wird für die Trauerfeier der Sarg auf der Feststiege aufgebahrt und anschließend in einem Trauerkondukt einmal um das Haus begleitet.

Fotografin Alexandra Jungbauer

Alexandra Jungbauer stammt aus dem Raum Linz und besuchte neben der HBLA Auhof auch die LIK Akademie für Foto und Design. Die Oberösterreicherin hat eine besondere Vorliebe für Wiener Kaffeehäuser und schöne Plätze. Seit 2019 arbeitet Jungbauer als freiberufliche Fotografin beim Critical Minds Magazin.

Foto: privat

BURGTHEATER WIEN

Universitätsring 2, 1010 Wien

Webseite: https://www.burgtheater.at/burgtheater

Facebook: https://www.facebook.com/Burgtheater

Chefredakteurin bei CRITICAL MINDS MAGAZIN +++ Ressortleitung: Theater-Film-Stars +++ Davor als Kultur-Redakteurin tätig bei SCHiCKMagazin, KURIER Medienhaus und der Tageszeitung HEUTE.

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